Gastbeitrag: Ein Hauch von Wortkultur

Der verehrte Herr Unruheherd hat sich die Ehre gegeben, die Saison der Gastbeiträge zu eröffnen! Passend zum Projekt 365, Tag 13, berichtet er über einen Hauch Luxus, der für jederman erschwinglich ist und im täglichen Leben als Impuls-gebende Routine integriert werden kann: Wortkultur!

„Aber nur ein Hauch, mehr nicht! Ich möchte keine große Abhandlung über irgendeinen kommunikativen Wandel verfassen. Das haben Andere bereits getan, vielfach und mit fundiertem Wissen. Die heutzutage üblichen Kommunikationswege bieten Vorteile, die sich nicht von der Hand weisen lassen. Sie sind unkompliziert, sparen Zeit und man ist sehr flexibel. Dennoch wenden sich Menschen hin und wieder „altmodischen“ Formen zu. Einige tun dies sicherlich der Individualität wegen, aus Verweigerung gegenüber … modernem ‚Kram‘ eben. 1998 hätte man es noch „old school“ genannt. Heute würde man im Starbucks Begriffe wie „vintage“ oder „retro“ über die Kante des Macbooks hinweg nuscheln.
Ich rede vom Brief. Weitgehend frei von Elektronik und Protokollen, wenn man von seiner Zustellung absieht. Meiner Ansicht nach trägt ein von Hand geschriebener Brief auf Papier jedes mal aufs neue eine stille Botschaft – nicht zwischen, sondern sogar hinter den Zeilen – mit sich.

Ich habe mir für dich Zeit genommen und mir Gedanken gemacht.

Besonders deutlich wird diese Nachricht, wenn der Verfasser auf das Erscheinungsbild seines Briefes Wert legt. Greift er zum Collegeblock und hält am Ende ein Blatt mit zerfressenem Rand in der Hand, oder schreibt er auf ausgesuchtem Briefpapier? Kritzelt er das Blatt mit einem Bleistift voll, oder fährt er seine Sonntagsschrift mit bedachten Federstrichen auf? Aus dem Gesamtbild vermag der Empfänger sogar die Umstände zu erkennen, unter denen ein Brief geschrieben wurde. Das könnte man doch glatt zum schriftlichen Pendant des einander-ohne-Worte-Verstehens stilisieren.
Ich selbst versuche meinen Briefen stets eine kultivierte Nuance mitzugeben, auch wenn nicht alle Briefe gleich schön ausfallen. Ich schreibe mit meinem alten Füllfederhalter und wenn das Papier es zulässt, lege ich ein Linienblatt darunter. Das Schreiben braucht natürlich seine Zeit, wenn man ansonsten mit Tastatur oder Kugelschreiber hantiert. Das ist aber nicht schlimm, denn diese Zeit kann man für eine (hoffentlich) ansprechende Wortwahl nutzen. Wenn der Brief am Ende nicht einem DIN Lang Umschlag mit Fenster landet, bin ich zufrieden. Wer weiß: vielleicht versiegele ich persönliche Briefe irgendwann mit Lack und Petschaft. Später. Zu diesem Zeitpunkt reicht es immerhin für die Signatur mit einer selbst geschnitzten Rohrfeder.
So gerne ich Briefe mit der Hand schreibe, so gerne empfange ich handschriftliche Antworten. Auch wenn diese manchmal etwas krakelig aussehen und einige Worte zweimal gelesen werden möchten. Dafür sagen diese Briefe so viel mehr, als dreizeilige Emails. Sie sind schlicht persönlicher.
Diese Art von Nähe zu seinen Liebsten rechtfertigt den moderaten Aufwand doch ohne Weiteres; oder?

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2 Kommentare

  1. Die Kultur des handschriftlichen Briefes – ich glaube, sie wird nie aussterben.
    Darüber bin ich sogar glücklich! Auch wenn ich einer dieser Menschen bin der immer und überall online ist, jemand der auch mal in der Straßenbahn seine Mails beantwortet, doch ein handgeschriebener Brief ist etwas besonderes.
    Bei einer Mail fehlt mir einfach das haptische Erlebnis. Einen Brief kann ich lesen, begreifen und ergreifen.
    Ich weiß nicht wie die „hippen“ Jungs und Mädels der Generation SMS es handhaben, doch ich kenne sogar noch parfümierte Briefe für die Liebste. Da kann keine Mail, keine SMS, kein Tweet mithalten.

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  2. Ich werde immer recht überrascht angeschaut, wenn ich erwähne, wieviel Wert ich auf echte Briefe lege & wieviele ich verfasse, eben weil ich auch zu den permanent Onlinern zu gehören scheine ;) Dare to be classic!

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