Back Up für zu Guttenberg

In der heutigen Post: eine Einladung zum Homecoming der RW Alumni 2011. Im Programm vorgesehen: Gastredner Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg.

Ich für meinen Teil hoffe sehr, dass der Herr Verteidigungsminister diesen Gastvortrag wahrnehmen wird! Nerven zeigen, durchhalten.

UPDATE: RW Alumni gab heute, Donnerstag, per Mail bekannt, dass die Einladung in beiderseitigem Einverständnis gelöst wurde und die Suche nach einem neuen Redner/in begonnen hat.

Mal zu etwas wirklich abstrusen Geschichten. Der Blog Dishwasher („Das Magazin für studierende Arbeiterkinder“) treibt es auf neue Höhen. Nach der Jagd auf „KTzG“ geht man nun auf die Universität Bayreuth über und zitiert vom Alter her fragwürdige „Beweisquellen“. Laut der Sozialerhebung ist die Uni Bayreuth eine

„Campus-Uni für bessergestellte Akademikerkinder“

– Achtung, hier verbirgt sich ein Zitat der oben verlinkten Seite. Kleiner KeksScherz am Rande.

Diese Umfrage gibt es mittlerweile in der 19. Runde, so dass laut der Originalseite die 15. Studie aus dem Jahr 1997 (!!!) stammt und damit nun wirklich keine aktuellen Daten bereit stellt. Innerhalb von 11 Jahren durchlaufe ich VOLLKOMMEN zwei verschiedene Bachelorstudiengänge, ein Diplom, mach 1 Jahr Praktikum und setz noch einen Master drauf, um es mal ansatzweise in die Realität zu übersetzen. Während dieser Jahre haben viele Generationen bei der Uni Bayreuth begonnen zu studieren, sind fertig geworden und haben sich in der Welt verteilt. Fuck, zu der Zeit der Studie hatten wir noch die MARK! Das ist, als würde ich das Wahlgesetz für Frauen von 1917 nehmen und ganz Deutschland unterstellen, Frauen dürften immer noch nicht wählen. Noch so ein KeksScherz.

Wer hier im Übrigen bloggt und diesen Artikel schreibt? Eine Tochter einer Zahnarzthelferin und eines Straßentechnikers, Schwester einer Restaurantfachfrau und eines Zimmerers/ KFZ-Mechatronikers, momentan immatrikuliert in einem der wirtschaftlichen Masterstudiengänge der Universität Bayreuth. Anstatt irgendwelche alten Quellen zu nennen und nach Belieben zu interpretieren sage ich euch, LIVE, aus dieser Uni, dass hier alles andere als „sozial homogene“ Strukturen herrschen.

Ich finde es außerordentlich schade, dass diese Studie nicht mehr mit den gleichen Details arbeitet wie noch damals zu DM-Zeiten, als ich gerade einmal aufs Gymnasium gewechselt bin, denn ich bin mir ebenso außerordentlich SICHER, dass man ausgeprägt heterogene Strukturen vorfinden kann.

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7 Kommentare

  1. Ausgeprägt heterogene Strukturen gibt es vielleicht an der Uni Duisburg/Essen, die als ehemalige Gesamthochschule, mit ihrem Standort mitten im Ruhrpott und einem 2,3 Millionen-Fonds für das Projekt „Chance hoch 2“ dafür sorgt, dass Arbeiterkinder nur geringfügig unterrepräsentiert sind. Und vielleicht noch im Department HWP der Uni Hamburg, welches als ehemalige Gewerkschaftshochschule noch immer gestattet, ohne Abitur zu studieren und viele Arbeiterkinder anzieht. Ansonsten sind ALLE Universitäten weitgehend sozialhomogen – nur der Grad der Homogenität ist unterschiedlich. Bayern gehört zu den Schlusslichtern. Was bitte schön hat sich an der Uni Bayreuth in den letzten zehn Jahren grundsätzlich geändert, was mich denken lassen sollte, dass die Zahlen von vor zehn Jahren nicht mehr gelten? Bis zum Beweis des Gegenteils vermute ich, dass sich an dieser Uni weiterhin unterdurchschnittlich viele Arbeiterkinder und überdurchschnittlich viele bessergestellte Akademikerkinder befinden. Das „unter-/überdurchschnittlich“ bezieht sich selbstredend auf die Uni-Quote und nicht auf die Gesamtbevölkerung.
    Liebe Grüße
    Andreas Kemper

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  2. Hallo und vielen Dank für den erläuternden Kommentar!
    Prinzipiell stimmt es natürlich, dass Kinder aus durch Akademikern geprägten Familien öfter studieren und es durch einen anders strukturierten finanziellen Hintergrund in vielerlei Hinsicht anders/ leichter/ besser haben, dem ist nichts entgegen zu setzen, das wurde bereits oft bewiesen.
    Dem Vorwurf jedoch, dass an der Universität Bayreuth eine verzerrte Vorstellung von sozialem Kapital herrscht und nicht die Leistung, sondern ausschließlich Beziehungen das Studium, insbesondere die Promotion, bestimmen, kann und möchte ich nicht entsprechen.
    Eine Förderung bzw. zusätzliche Bezuschussung der Universitäten je nach „Arbeiterkinderanzahl“ finde ich jedoch verfehlt, da dies Auswirkungen in vollkommen falsche Richtungen mit sich bringen kann. Da halte ich eine Zulassung zum Studium auch ohne Abitur für wesentlich geeigneter. Das nur am Rande :)

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  3. >“Eine Förderung bzw. zusätzliche Bezuschussung der Universitäten je nach „Arbeiterkinderanzahl“ finde ich jedoch verfehlt, da dies Auswirkungen in vollkommen falsche Richtungen mit sich bringen kann.“

    In den Zielvereinbarungen vieler Hochschulen wird dies geschlechterspezifisch seit Jahren praktiziert, ohne dass dies Auswirkungen in vollkommen falsche Richtungen mit sich bringen würde.

    Zu den Zahlen: ich hatte mich gestern beim Hoschul-Informations-System um akutelle Daten bemüht. Das Problem ist, dass das Land Bayern keine Sonderauswertung der DSW-Sozialerhebung macht (soweit ich weiß), obwohl Bayern insgesamt eine signifikant geringere Quote an studierenden Arbeiterkindern hat. Daher liegen im Gegensatz zu NRW keine konkreten Auswertungen für die Hochschulen vor. Bayreuth müsste sich extrem verändert haben in den letzten Jahren, wenn es nun eine für Hochschulen übliche Zusammensetzung haben sollte. Denn der 24prozentige Anteil von Studierenden aus ärmeren Familien war schon herausragend schlecht. Alle anderen Hochschulen hatten einen Anteil zwischen 30% (Tübingen) und 57% (Paderborn). Während zu dem Zeitpunkt noch die Ost-Hochschulen nach Ländern prozentual weniger studierende Arbeiterkinder vorzuweisen hatten als Bayern, hat sich das extrem verschoben. Bayern hat sich nicht großartig verändert, an den Ost-Hochschulen haben sich aber die Verhältnisse normalisiert.

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  4. Bei dieser Diskussion können also nur aktuelle Zahlen etwas helfen.
    Die weitere Frage ist, inwiefern eine ‚verschobene‘ Zusammensetzung nicht zu einem gewissen Teil schlichtweg Zufall ist, bzw. überhaupt Ziel der Uni Bayreuth. Letzteres halte ich für extrem unwahrscheinlich, die Studiengänge sind ziemlich allgemein und richten sich nicht exklusiv an Studenten besserer finanzieller Herkunft. Wenn sich die Zusammensetzung so ergeben hat über die Jahre, dann ist das halt so natürlich entstanden. Warum muss eine Universität eine „Arbeiterkinderquote“ erfüllen?!

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  5. Aktuelle Zahlen könnten einiges erhellen. Warum gibt es diese nicht. Das ist bereits ein Skandal, weil ja bekannt ist, dass Arbeiterkinder benachteiligt werden. Zumindest also sollte erhoben werden, wie die Zusammensetzung aussieht. Wenn das nicht erhoben wird, bestärkt dies die Vermutung einer Benachteiligung.

    Von der Unterstellung eines geplanten Ziels, Arbeiterkinder aus der Uni rauszuhalten, bin ich weit entfernt. Das funktioniert anders, unbewusst. Lesenswert sind hier die Bücher des Soziologen Pierre Bourdieus. Wissenschaftler_innen, egal es sich um Physiker_innen oder Soziolog_innen handelt, sehen sich gerne Unregelmäßigkeiten an, um diese aus allgemeinen Regeln ableiten zu können. Diese Zahl 24% bliebe erklärungsrelevant, auch wenn sich heute alles normalisiert haben sollte.

    Generell gilt, dass niemand aufgrund seiner sozialen Herkunft benachteiligt werden darf. Es lässt sich im Bildungsbereich aber sowohl eine statistische Diskriminierung insgesamt nachweisen als auch eine in Einzelbereichen (Stipendienvergabe, Hiwi-Stellen-Vergabe, verdeckte Studienkosten in bestimmten Fachbereichen, etc.). Hochschulen sollen nicht an sich eine Arbeiterkinderquote erfüllen, sie müssen aber die Benachteiligungen abstellen, und sie müssen daher untersuchen, ob welche vorliegen. Dass ein zuGuttenberg seinen Doktortitel mit einem „Summa Cum Laude“ erhielt, obwohl es sich um zusammengestückltes Plagiat handelt, wirft die Frage auf, ob an der Uni Bayreuth nicht tatsächlich Bessergestellte protegiert werden.

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  6. Erfüllungsgehilfin Uni Bayreuth

    Merkel: „Die Entscheidung der Uni Bayreuth liegt auf der Linie dessen, was der Verteidigungsminister vorgegeben hat“

    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-02/guttenberg-plagiat-reaktionen

    Die Leser und Leserinnen der ZEIT sind entsetzt. Zurecht.

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  7. Die Darstellung der Uni Bayreuth als „gehorsam folgend“ ist eine politisch motivierte Aussage. Bei der aktuellen Beweislage gab es schlichtweg keinen Grund, den Doktortitel _nicht_ abzuerkennen. Vorgegeben hat der Herr Verteidigungsminister gar nichts, lediglich die Verwendung seines akademischen Titels der Öffentlichkeit wegen unterlassen, bevor eine rechtliche Konsequenz gezogen wurde.

    > Wenn das nicht erhoben wird, bestärkt dies die Vermutung einer Benachteiligung.

    Finde ich persönlich weder skandalös, noch verstärkt es irgendwelche Vermutungen in mir. Jemand gibt mir keinen Keks, dem reichen Jungen neben mir schon. Liegt das am Betrag auf meinem Konto? Hm, lass mich kurz überlegen…

    > Generell gilt, dass niemand aufgrund seiner sozialen Herkunft benachteiligt werden darf.

    Vollkommen korrekt, das hat auch niemand verneint.

    > Dass ein zu Guttenberg seinen Doktortitel mit einem „Summa Cum Laude“ erhielt, obwohl es sich um zusammengestückltes Plagiat handelt, wirft die Frage auf, ob an der Uni Bayreuth nicht tatsächlich Bessergestellte protegiert werden.

    Von einem Fall auf eine komplette Universität zu schließen, wirft auch einige Fragen auf -.-

    > In den Zielvereinbarungen vieler Hochschulen wird dies geschlechterspezifisch seit Jahren praktiziert, ohne dass dies Auswirkungen in vollkommen falsche Richtungen mit sich bringen würde.

    „Geschlechterspezifisch“ zieht sich auch durch sämtliche Gesellschaftsschichten. Das gibt andere Voraussetzungen vor und damit u.U. andere Wirkungsrichtungen.

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