Wahre Vorbilder!

Der Griff zum Zeitschriftenregal, als ich das letzte Mal mit Wartezeit am Bahnhof stand, ging zur instyle beauty, der Rest des Regals würde wahrscheinlich eh bald auf dem WG-Küchentisch liegen. Normalerweise blättere ich ähnliche Zeitschriften relativ oberflächlich durch, diesmal hab ich mir zur Abwechslung aber sogar mal das Editorial durchgelesen.

Wie will man es nur sagen? Dass die zugrunde liegende Konzeption der Zeitschrift auf allen Methoden jenseits der natürlich gegebenen Schönheit basiert, ist offensichtlich. Aber bis zu dem Punkt, sich selbst abgrundtief für sein natürliches Aussehen zu dissen schämen, sind es dennoch einige ziemlich groß ausfallende Schritte.

Sicher, ich selbst und Milliarden anderer Frauen entscheiden sich jeden Tag für die Anwendung von Mascara & weiteren Utensilien, einfach weil wir finden, dass es uns aufhübscht. Die Emphasis liegt hierbei auf der 1. Steigerung des Begriffs ‚hübsch‘. Dass Mascara hübscher erscheinen lässt, heißt also nicht, dass man in der Rohform nicht schon hübsch ist.

Glaubt man aber der Verfasserin des Editorials, so findet sie ihr eigenes Erscheinungsbild ohne künstliche Veränderung als dermaßen beschämend, dass sie ohne entsprechende Maßnahmen nicht einmal ihrem Partner ihr unbearbeitetes Gesicht zu wendet, geschweige denn das Haus verlässt.

Da haben wir in der Gesellschaft also eh schon überlaufende Probleme mit Teenagern, die sich in den Wirren der hormonellen Jahre selbst bis zum geht-nicht-mehr anzweifeln und alles in Frage stellen, was sie zu ihrer eigenen Person macht. Brauchen wir dann noch erwachsene Menschen, die sich unglücklicherweise in Positionen befinden, in denen sie besagte Teenies direkt ansprechen können, um ihnen noch mehr Probleme nahe zu legen? Frei nach dem Motto „wenn eine Dame einer beauty Zeitschrift so etwas von sich sagt, was muss ich dann erst von mir denken?“ bietet man den Kids damit ein wirklich ansprechendes Vorbild. Nicht.

Klar. Dass an dieser Stelle der Zeitschrift die natürliche Schönheit als das einzig gültige Ideal besungen wird, ist schlichtweg unmöglich, widerspricht es doch vollkommen dem Existenzgrund der Zeitschrift. Mäßigung beim Ausdruck des negativen Empfindens des eigenen Erscheinungsbilds in der Öffentlichkeit ist aber kaum zuviel verlangt! Jeder hat kleine Kniffe und Tricks, wie man Stärken der eigenen äußerlichen Erscheinung betont und Schwächen etwas kaschiert, dafür ist die Zeitschrift auch da, aber wer seine „Rohform“ als derart gering achtet, dass frau ohne jeglichen Eingriff nicht im Geringsten anschaubar, erst recht nicht präsentabel ist, sollte ein wenig nachdenken, bevor sämtliche Komplexe auf ein leicht beeinflussbares Klientel gestreut werden!

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Implizieren, man müsse [abseits der angebrachten Diskussion um allgemeine Gesundheit] den Körper von natürlichen Gegebenheiten hin zur rein künstlichen Darstellung zutiefst umgestalten, um sich darin nach gesellschaftlichen Regeln gut fühlen zu dürfen können, oder um überhaupt in den Spiegel sehen können, ohne von sich angewidert zu sein? Glücklicherweise scheinen wir in verschiedenen Welten zu leben!

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