Die Sache mit den Dirndln

Wie ich im DIY-Artikel der Handtasche erwähnt hatte, habe ich die letzten Tage mit den Besten der besten Freunden auf der Sandkerwa in Bamberg verbracht. Wie es sich für jedes Festle gehört, kamen einige Herren mit typischen Lederhosen und überraschend viele der Damen im Dirndl. Jetzt würd‘ ich mir wünschen, ich könnt‘ sagen, dass diese Dirndl ebenso typisch waren oder einfach schön, doch das Auge isst bekanntlich mit und glaubt mir: es hatte Magenschmerzen.

Da gibt es zum einen die traditionellen, die echten Dirndl, die einfach so passen, wie sie sind. Gehören sich halt so, Tracht eben. Dem Fortschritt der Zeit sowie dem Schmalhans [wohnhaft im Geldbeutel] geschuldet, kommen dazu noch die moderneren Dirndl, denen prinzipiell auch überhaupt nichts entgegen zu setzen ist. Zumindest was Formen angeht. Längst schon unentbehrliches item in der Modewelt, wurden am ursprünglichen Dirndl einige Details nicht völlig insignifikant geändert; klar, Knie-Länge im heißen Sommer ist wesentlich angenehmer als Boden-Länge, der Ausschnitt ist in der Regal etwas weniger dezent, der Stoffverbrauch am Rock wurde maßgeblich verringert, die verwendete Stoffart ist sowieso von einem ganz anderen Schlag. Soll alles gut und Recht sein.

Viel tiefgreifendere Änderungen haben sich aber leider bei den Farben ergeben. Als Teil der volatileren Landhausmode und nicht mehr als echte Tracht mussten sich hier im Laufe der Zeit fast schon zwangsläufig Änderungen/ Modernisierungen geben, aber wie so oft ist es das wohin, das letztendlich den Ausschlag gibt. NEON Farben sind meiner Meinung nach das Schlimmste, was einem Dirndl passieren kann. Helle Farben – gerne. Wirken freundlich & sommerlich, z. B. ein schönes Hellblau. Neon-Pink, Neon-Grün oder Neon-Lila: nicht so wirklich. Das alles gilt, selbstverständlich, vollkommen unabhängig davon, ob man im hochpreisigen Spezialgeschäft sein Dirndl kauft, im allgemeinen Landhausmodengeschäft oder bei Läden wie beispielsweise C&A. Mit dem Dirndl sollte man bei Mitmenschen nicht wegen dem irritierenden neon-grellen Flackern im Auge auffallen, sondern wegen dem kleidsamen Gesamteindruck. Die absolute Steigerung der Farbwahl ist übrigens color blocking. Live & in Farbe gesehen, bin ich jetzt geblendet für’s Leben.

Während in den 50ern übrigens noch Rüschen als DER Hingucker bei Dirndln galten [selbstverständlich möglichst selbst genäht], kommt zur fehlgeleiteten Farbwahl noch allerlei unnützer Tand. Also mal ehrlich, eine kleine Runde Strass-Steinchen auf der Schürze ist vollkommen in Ordnung, aber wenn zur Neon-Strahlung die Farben noch in einer Horde wild gewordener Plastik-Glitzerbändchen reflektiert werden, wird aus dem Dirndl eine kleine Krankheit.

Tracht/ Landhausmode – ja, sehr gerne! Aber nicht um jeden Preis.

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