real life: urban legend?

Demolition Day ist endlich eingetreten: vor einigen Tagen habe ich meinen Facebook-Account gelöscht. Damit bin ich nur noch hier auf dem Blog und bei Xing zu finden, die restlichen sozialen Netzwerke sehen mich nur noch von hinten.

Beziehungskiste: Facebook vs. Ich

Nachdem Facebook in Deutschland einen vergleichsweise späten Start in Sachen „sozialer Trend“ hatte, hat es bis zu meinem Auslandsaufenthalt etwa um 2008 herum gedauert, bis das Netzwerk durch internationale Kontakte überhaupt einigermaßen Sinn & Nutzen für mich hatte. Doch ab diesem Zeitpunkt hatte es unwiderbringlich zu meinem Leben gehört und nicht ein Tag ging vorbei, dass man das Netzwerk nicht auf interessante Neuigkeiten hin seziert hat.

Spaß hat es gemacht, denn auf einmal fand man lange vergessene Menschen wieder, die einem in der Vergangenheit mal mehr, mal weniger bedeutet haben. Jedenfalls machte das Gesichtsbuch das Halten von Kontakt auf bei großen Distanzen wesentlich einfacher. Ich kategorisiere es als passive Kommunikation, die entgegen zur aktiven Kommunikation nicht aus direkten Nachrichten mit-/ aneinander besteht, sondern vielmehr durch das „Mitlesen“ beispielsweise der veröffentlichen Status-Meldungen besteht. Man wusste, woran der jeweils andere war im Leben, ohne sich aktiv um Nachrichtenfluss zwischeneinander kümmern zu müssen. Easy.

Als die Spiele kamen samt permanenten Anfragen und Meldungen, die die Startseite zugespamt haben, wurde es langsam nervig. Selbst die Funktion des Ignorierens von Apps half nur begrenzt, kamen und kommen doch immer noch in Scharen neue Apps in den Umlauf. Die Liste der ignorierten Anwendungen war letztendlich länger als die Liste meiner Freunde.

Die ewigen elenden Sicherheitsmängel und die Vielzahl an fast schon hinterücks’schen Versuchen, die privaten Daten auf verschlungenen Umwegen eben doch öffentlich zugänglich zu machen, trugen ihr Übrigens zum schlechten Geschmack auf der Zunge bei.

Ich begann also, meine Kontakte genauer zu betrachten. Erst ging es nur darum, jahrelange ‚Schweiger‘ aus der Liste zu entfernen, dann die haufenweise gespeicherten unnützen Nachrichten zu löschen und als ich dann eh schon drüber war, schimmerte plötzlich der kleine Button mit dem „Account stilllegen“ vor mir. Da ich kurz davor auch noch festgestellt hatte, dass all diejenigen Personen, mit denen ich via dem Gesichtsbuch etwas intensiver Kontakt hielt eh jene waren, die ich fast wöchentlich in Person sehe oder mit ihnen telefoniere, war dem Zeigefinger keinerlei Argumentation mehr im Wege. Et pouf! War es weg.

und nun?

Man ertappt sich ab und an schon dabei, vor dem Feuerfuchs zu sitzen und zu überlegen, wo man denn noch kurz hinschauen könnte und auch bereits darüber ist, die Adresse des Netzwerks zu tippen. Man fragt sich durchaus auch, was es Neues gibt bei all den Leuten, denen man so begegnet ist im Laufe des sozialen Online-Lebens, welche Videos gepostet wurden, oder welche Fotos veröffentlicht. Im nächsten Moment atmet man aber immer noch, hat immer noch Hunger und die Luft duftet immer noch verführerisch nach den Löwenmäulchen im Kasten vor dem Fenster. Huch, da geht das Leben auch ohne Facebook noch weiter. Keine urban legend also, dieses reale Leben… Faszination! ;)

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