Die Seite der Tröstenden

Es gibt Sprüche für Cliché-Situationen, die hängen einem zum Hals aus. Es gibt aber auch Cliché-Sprüche, deren Sinnlosigkeit sich einem gerade dann offenbart, wenn man in der entsprechenden Situation steckt.

Beispielsweise wenn Freunde zu mir kommen, weil sie einen Sterbefall aus ihrem direkten Umfeld betrauern und man ihnen helfen möchte, Trost spenden möchte. Doch wie hilft man, was sagt man? Nicht viel, laut verbreiteter Aussage.

Du musst nur da sein & zeigen, dass du für diese Person da bist.

Genau, den Spruch kennt jeder. Aber wie genau geht man vor? Abgesehen von tröstenden Umarmungen kann man eigentlich nur noch tröstende Worte formulieren. Doch was genau sagt man en detail? Abseits vom Offensichtlichen, also das Beileid ausdrücken. Das klingt aber nach drei Mal bereits hohl und verbraucht. Es dauert jeweils auch nur 5 Sekunden. Summe: 15 Sekunden. Danach folgt meistens zwangsweise Stille. Vermutlich, weil es auch keine passende Erwiderung darauf gibt, die sich wahllos wiederholen lässt. Also möglicherweise noch eine Umarmung? Dauer: maximal zwei Minuten. Danach? Schauen deine Freunde dich mit einem erwartungsvollem Blick an, als solltest du ihnen jetzt erklären, warum das alles geschehen ist. Wie es weiter geht. Wie alles wieder gut wird. Warum es gerade so schmerzt. Wie man das alles verstehen soll. Wieder die Frage nach dem ‚warum‘. Das können wir aber nicht.

Als ‚Tröstender‘ fühlt sich plump, wie mit einem Brett vor den Kopf geschlagen. Was antwortet man denn? Man hat doch auch keine Ahnung, über das Leben nach dem Tod lassen sich seitens der lebenden Menschen nur Vermutungen anstellen & die Erwähnung, dass der Verstorbene jetzt keine Schmerzen mehr hätte oder/ und an einem besseren Ort wäre, findet nur bei der jeweiligen Glaubensgruppe tröstenden Sinn. Andere empfinden sie durchaus als blanken Hohn. Man kann die Erwartungen einfach nicht erfüllen, das spürt man auch äußerst deutlich und glaubt mir: es wiegt schwer.

Also?

Man flüchtet sich in Kleinigkeiten, die den andauernden Blickkontakt unterbrechen. Kaffee oder Tee kochen, eine Kleinigkeit zubereiten. Beantwortet hat man damit aber keine der noch immer deutlich in der Luft hängenden Fragen. Es kann auch keiner, nicht einer von uns. Die Verantwortung dafür fühlt man trotzdem und ist sich der eigenen Unzulänglichkeiten permanent bewusst.

Erwartet nicht die Welt von uns: Alles, was wir tun können, ist euch alles geben was wir haben, insbesondere in emotionaler Hinsicht & das geben wir euch gerne. Wir fühlen von ganzem Herzen mit euch und nur gemeinsam können wir gestärkt durch diese Zeiten gehen. Nur Antworten können wir euch nicht geben.

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