Der öffentliche Auftritt der Piraten.

Der Auftritt der Piratenpartei mutet bisweilen recht chaotisch an, doch woher kommt das?

Durch die Neugründung der Piraten haben zum einen viele der Mitglieder, die auch nach außen aktiv wirken, nicht den allgemein üblichen Weg innerhalb einer Partei durchlaufen. Damit meine ich nicht, dass dies zwangsläufig der Fall sein sollte, vielmehr ist es ein Erklärungsansatz für das Auftreten so mancher Mitglieder. Personen, die den regulären Weg in jahrzehntelang etablierten Parteien gehen, werden Schritt für Schritt an diese Aktivität heran geführt und bekommen die Welt der Politik sozusagen von Grund auf beigebracht. Die Piraten sind im Gegensatz dazu direkt in den politischen Alltag gesprungen, dieses Vorgehen spiegelt sich auch deutlich im Auftreten wieder.

Insbesondere beispielsweise bei Interviews, in denen Antworten unklar sowie variabel & weitreichend interpretierbar gegeben werden. Ein Beispiel (1):
•    Hier spricht Herr Nerz davon, insbesondere mit kleinen Parteien „zu können“, aber da wären Erwartungen an eine Regierungsmehrheit unrealistisch. Regieren möchte man aber ab 2013 im Bundestag. Interpretation: Man hält sich doch lieber an die großen Parteien, auch wenn man „nicht so gut mit ihnen kann“ um der Regierungsmehrheit Willen?
•    Außerdem sollen laut dem Herrn Nerz keine Detailkonzepte erwartet werden, aber in den Bundestag würde man 2013 dann doch gerne einziehen. Wofür sie dann, so ganz ohne Detailkonzepte, gewählt werden sollen: bleibt offen. Man will ja aber auch niemanden überfordern, nicht wahr. Vor allem, wenn das schon von sich selbst aus so gesagt wird.

Darüber hinaus: Was passierte denn, als die Piraten das erste Mal (in Berlin) „richtig an der Macht“ waren? Ein Teil fiel sofort in Verhaltensweisen „zurück“, die vorher so gern kritisiert wurden. So versuchte eine der gewählten Piraten als eine der ersten Handlungen, als Mitarbeiter ihr nahe stehende Person in der eigenen Verwaltung unter zu bringen. Möchte eine aktive Piratin heiraten, gibt es keine Glückwunschkarte, sondern öffentlich für alle zu lesen auf Twitter harsche Kritik für dieses „rückständige“ Verhalten. Gegenseitig spioniert man sich aus und erpresst sich, es folgt eine Anzeige des Mitglieds. (2)

Insgesamt fehlt im Auftritt der Partei eine gewisse Professionalität, beispielsweise auch, wenn Zwistigkeiten zwischen einzelnen Piraten oftmals in der Öffentlichkeit mit kindisch, beziehungsweise schlichtweg unmöglich anmutenden Reaktionen und Sprüchen ausgetragen werden. (3)

Dass man als Neugründung nicht sofort auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen kann und ein gerüttelt Maß an Professionalität vorweisen kann, ist logisch und an dieser Stelle nicht verwerflich. Aber das Ausmaß, in dem der Auftritt der Piraten durch unmögliches individuelles Verhalten professionell mehr als nur löchrig gestaltet wird, ist damit nicht mehr zu rechtfertigen.

Der Umgang mit der Öffentlichkeit, Informationen für selbige, beziehungsweise der Presse, ist offensichtlich mehr als nur „ungeübt“. Was hier vielleicht vonnöten ist, ist möglicherweise die Nutzung hoffentlich bereits existenter, bundesweiter sowie geschlossener Kommunikationskanäle, die niemanden außer den Piraten selbst zugänglich sind. Mailing Listen sind zu aufwändig als auch zu ineffizient und völlig unübersichtlich, auch das Piratenpad ist öffentlich zugänglich. Selbst ich habe da bereits mitgeschrieben und bin nicht einmal Mitglied, lediglich grundlegend politisch interessiert. Jede Zwistigkeit, die vollkommen achtlos auf Twitter verbreitet wird, erreicht mittlerweile ein Millionenpublikum. Ein Umstand, an den sich einige Mitglieder vielleicht noch nicht gewöhnt haben – es aber schleunigst tun sollten. Es ist unabdingbar, zwischen einem Auftreten nach außen und innen zu unterscheiden, wobei es dem Modeschlagwort Transparenz nicht schadet, wenn sämtliche individuellen Schlagabtausche wenigstens einmal nicht in den öffentlichen Medien auftauchen.

Andere genannte Faktoren sind eine Konsequenz davon, dass man nicht zu 100% kontrollieren kann, wer der Partei denn beitritt. Mit diesem Willen zur Offenheit für alle, permanentes Betonen, fast schon Beschwören der Basisdemokratie, Unwillen zur Schaffung einheitlicher Konzepte und nicht vorhandene Festlegung auf zentrale Aussagen, so findet sich diese Vielfalt eben auch in der Parteibasis. Das ist kein schlechtes Faktum, stellt die Partei aber sehr wohl vor komplizierte Herausforderungen, die erst mal gemeistert werden müssen. Um der Partei ein Profil zu schaffen, werden sichere Positionen zu verschiedenen Themen geschaffen werden müssen, die aber niemals in vollem  Umfang die Vielfalt der Basis reflektieren können. Anders gesagt: irgendjemand hat immer Grund, zu meckern. Dann muss man sich aber auch „trauen“, durch Zusammenarbeit/ Arbeitskreise entsprechende Positionen zu schaffen und sich persönlich somit möglicherweise Kritik auszusetzen. Das ist nun mal die Verantwortung, die eine Geschäftsführung zu tragen hat, die jeder Politiker trägt. Sich daran anknüpfende Kritik muss man auch vertragen können.

Das hier ist allerdings nur eine kleine Gedankensammlung, die mein politischer Lieblingskritiker C. A. vor der Veröffentlichung einer logischen Prüfung unterzogen hat. Vielen Dank dafür und die hilfreiche Anmerkung!

Über Ergänzungen, bzw. allgemeinen Input eurerseits würde ich mich jederzeit freuen!

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  • Bücherliste 2014

    2014 bereits gelesen:

    Nancy Bilyeau
    - Die Prophezeiung der Nonne
    Thomas Lehr
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    Patrick Rothfuss
    - Der Name des Windes
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    - Flammenblut
    Melissa Bailey
    - der Spiegel der Medici
    Valeria Luiselli
    - Falsche Papiere
    Bernard Cornwell
    - 1356
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    - Das Haupt der Welt
    Marc Levy
    - Wer Schatten küsst
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    - Stone Bruises
    Gerd Schilddorfer
    - Heiß
    Sebastian Fitzek
    - Noah
    Amy Brill
    - Die Frau, die Sterne fing
    Sam Parangi
    - Mr. Majestic verbessert sein Karma
    S. Adeline
    - S.E.C.R.E.T.
    George Saunders
    - Zehnter Dezember
    Sally Green
    - Half Bad
    Veronica Roth
    - Die Bestimmung
    Abaelard und Heloise
    - Liebesbriefe
    Trudi Canavan
    - Sonea, die Heilerin
    Markus Gabriel
    - Warum es die Welt nicht gibt
    Lauren Beuke
    - Shining Girls
    Sarah Benedict
    - Das Haus der blauen Schmetterlinge
    Nathaniel Hawthorne
    - Das Haus mit den sieben Giebeln
    Cassandra Clare
    - City of heavenly fire
    Horst Lauinger (Hrsg.)
    - Über den Feldern
    Lee Child
    - Wespennest
    Sylvia Madsack
    - Tausend Augen hat die Nacht
    Sheila Heiti
    - Wie sollten wir sein
    Jennifer L. Armentrout
    - Obsidian
    Peter Orullian
    - Das Gewölbe des Himmels
    J. R. R. Tolkien
    - Der kleine Hobbit
    Tahere Mafi
    - ich fürchte mich nicht
    Sylvia Day
    - Crossfire / Versuchung
    Helene Wecker
    - Golem und Dschinn
    Kai Meyer
    - Phantasmen
    Andrea Camilleri
    - mein ein und alles
    Ines Thorn
    - Wolgatöchter
    George R. R. Martin
    - A Game of Thrones
    Tahereh Mafi
    - rette mich vor dir
    Damian Dibben
    - Jake Djones und die Hüter der Zeit
    David Hair
    - Die Brücke der Gezeiten
    Sylvia Day
    - Offenbarung
    Sylvia Day
    - Erfüllung
    Peter Orullian
    - Das Gewölbe des Himmels 2
    Zoran Drvenkar
    - der letzte Engel
    Franz Kafka
    - Die Verwandlung
    Lauren Kate
    - tear drop
    Tahereh Mafi
    -ich brenne für dich
    Sophia Loren
    - Mein Leben
    David Hair
    - die Brücke der Gezeiten 2
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