Wie wohnt eigentlich ein Abercrombie & Fitch Model?

WG in München gesucht, Teil II, findet ihr *hier*.

Auf das kleine Grundstück im west-östlichen München führt eine normale, kleine gepflasterte Auffahrt hin zum kleinen Ein-Familien-Haus. Die Eingangstür besteht aus einem simplen, nicht polierten Stahlrahmen, der mit Säure behandeltes Glas fasst – typisches Badezimmerfensterglas. Beim Öffnen erfasst uns der Geruch abgestandener Luft, die dem herrlichen Frühlingstag langsam entgegen wabert. Hinter der Tür führt direkt rechts nach oben eine schmale Granittreppe, in deren Ecken sich das vertrocknete Laub und weitere Überreste des letzten Sommers verlustieren. Die Treppe wandelt mit einem wackeligen Holzgeländer um eine Kurve herum und führt zu einem kleinen Flur, dessen Boden mit einem alten, Samt-artigen Teppich belegt ist. Die Farbe mochte früher einmal kräftig gewesen sein, damals in den 80ern. In den Ecken des Flurfensters betreibt der moderne schwarze Schimmelpilz eine Kolonie samt überteuerter Ferienanlage.

Das blonde Wesen, das uns zur Tür herein bittet, besteht scheinbar nur aus Muskeln, weißen Zähnen und einem dichten blonden Haarschopf – perfekt auf Surfer frisiert, selbstverständlich. Das T-Shirt mit dem V-Ausschnitt bietet die ersten Ansätze der ausgeprägten Brustmuskulatur dem Blick dar – exakt das, was man sich von einem A&F Model erwarten darf.
Während er uns das Haus zeigt, hält er die Tür zu seinem Zimmer fest geschlossen, hat aber kein Problem damit, seine zig Schuhe im Regal vor uns zu erwähnen. Falls ich auch Schuhe hätte, könnte ich die auf der anderen Seite unterbringen.

„Falls“ ich „auch“ Schuhe habe? Ich bin klein und dick, aber Füße habe ich wie jeder andere Mensch auch…

Das Bad ist klein, könnte eine Portion Schimmelreiniger vertragen, hat eine grüne Decke und einen mit riesigen Fröschen verzierten Duschvorhang. Die Wand des Gangs wurde mit etwas Farbe geschönt, so dass nun eine lange grüne Ranke mit lila Blütenkopf die Welt erhellt. Das nächste Mal könnte man vermutlich einen Kindergarten einladen für die weitere Wandgestaltung, das wäre sicherlich eine qualitative Aufbesserung der künstlerischen Darstellungen.

In der Küche empfängt uns eine lila Wand. Es ist eine Heten-Männer WG, erwähnte ich das? Der werte Herr kocht einen Tee und verschüttet dabei einen halben Liter Wasser auf den Boden – Laminat. Juckt ihn nicht. Lassen wir das Holz doch einfach mal aufweichen, schaut ja sonst auch zu langweilig aus! Der andere Mitbewohner bräuchte manchmal einen Hinweis zum putzen, aber wenn man das macht, dann funktioniert auch alles, sprachs und räkelte sich mit dem Armen hinter dem Rücken auf seinem Stuhl.

Die in der Küche enthaltene Waschmaschine kommentiert er mit den Worten „Wenn wir dieses Seil benutzen, bekommen wir die Klappe meistens ganz gut auf.“ Ich könnte natürlich auch einfach meine mitbringen und ihr werft das alte Ding raus. Diesem Vorschlag schien das Model nicht ganz abgeneigt und so setzen wir uns zum Palaver an den großen Küchentisch. „Hier ist also der Platz, an dem man sich am Besten aufhält, um irgendwann irgendwen zu sehen“, spiele ich auf das nicht vorhandene Wohnzimmer an.*

Antwortet mir das römisch-katholische Abercrombie & Fitch Model mit süffisantem Lächeln glatt „ja, einfach nur mit Keksen in der Küche warten“, woraufhin meine Zuckerschnute ein dezentes „Mit Keksen kann ich dienen. Damit lässt sich hervorragend was anziehen. Ungeziefer zum Beispiel.“ konterte. Gekünsteltes Lächeln zieht seine Mundwinkel breit. Ich weiß, ich bin nicht einfach zu handhaben und das Blitzen deiner weißen Zähne lässt meinen Kopf dich nicht automatisch anhimmeln. Das Leben kann so hart sein, tut mir aufrichtig leid!

Ja sooo oft würde man ihn vermutlich gar nicht antreffen, er verbringe durchaus einige Zeit in der Wohnung seiner Freundin – heißt dann so viel wie „Hierher bring ich sie garantiert nicht mit!“. Verständlicherweise.

Wir stellen fest, dass wir alle Grenzen einer Zweck WG hiermit abgesteckt haben und verabschieden uns.

Wir werden uns nicht wieder sehen.

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*For the record, ich brauche in einer WG kein WZ, aber an irgendeinem Umstand muss man eine stockende Unterhaltung eben aufhängen, damit sie weiter geht.

P.S.: Meine WG Suche hat sich mittlerweile auf glückliche Art gelöst! Eine Woche habe ich, um mein Leben mal wieder zusammen zu packen und zu meiner neuen tollen Mitbewohnerin zu ziehen.

P.P.S.: Ich bitte um Beachtung :)

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