Über die Faszination für Großstädte bei Mittzwanzigern…

… und warum das nicht zwangsläufig schlecht sein muss.

Der fast schon klischeehafte Zauber ist ungebrochen – jedes Jahr, jede Saison, jeden Monat verlassen Unzählige der sogenannten 20somethings ihre potenziell eher kleinere Heimatgemeinde und ziehen in Großstädte. Mit der verheißungsvollen Aussicht auf einen vibrierenden Lebensstil machen wir uns daran, das Leben so zu gestalten, wie es unserer Meinung nach sein sollte – dafür gilt es, so viele wertvolle Einflüsse zu kultivieren, als nur möglich. Welcher Ort scheint dafür geeigneter zu sein als eine Großstadt?

Stadt vs. Land – der ewige Streit?

In der letzten Zeit laufen erscheinen nach meiner subjektiven Meinung gehäuft Artikel, die die Idealisierung von Großstädten auf Seiten der 20somethings thematisieren, grundsätzlich damit schließen, dass dem eigentlich so nicht sein kann und warum jeder „woanders“ hinziehen sollte. Andere reagieren auf diese Meinung mit ihren Begründungen, weshalb die Stadt der einzige lebenswerte Raum sei. Ganze Bücher werden darüber verfasst, in denen die einen die Stadt, die anderen die Landflucht verurteilen.

Aus meiner Sicht haben beide Seiten Recht! Allerdings ist das natürlich meine persönliche Meinung, die sich nicht 1:1 auf alle anderen übertragen lassen muss.

20somethings?

Kommt man nach einem Master aus der Uni, ist man in der Regel 24 oder 25 Jahre alt. Wer mit 18 Jahren sein Abitur macht, schafft es in Regelstudienzeit vielleicht sogar mit 23 Jahren. Einige starten direkt ins Berufsleben, andere suchen ein Weilchen und wieder anderen geht es wie mir: nach einem Fehlstart kommt es zu einem Neustart und dann bitte auch tutto completti, heißt: Relokalisierung Galore!

Mit Mitte Zwanzig hat man diese Übergangszeit „Universität“ in der Regel abgeschlossen und möchte nun endlich das „echte“, das „wahre“ Leben gestalten, wie man es sich bis dato unter der Kategorie „wenn ich mal groß bin“ vorgestellt hat. Schon die Entscheidung, alles hinter sich zu lassen und neu anzufangen, ist bereits ein sehr wichtiger Schritt in sich. Man gibt willentlich sein altes Leben dafür völlig auf, was natürlich auch ein gewisses Risiko impliziert. Ein neuer Ort bedeutet Abstand von allem, was einem nichtig erscheint, aber auch der Dinge, die einem wichtig sind – Freunde, Familie, bekannte Geschäfte, das spezielle Stammcafé mit den Mädels, der tolle kleine Bücherladen an der Ecke. In der neuen Stadt kennt man eben nicht mehr die Bäckersfrau, mit der man einfach mal über Gott und die Welt ratschen kann. Doch der Wandel bringt auch Gutes mit sich, selbst wenn er zu negativen Erfahrungen führt: man lernt etwas über sich selbst, navigiert durch raue See und auch wenn es einem so scheint, als hätte man dabei schlichtweg keine andere Wahl, als am Steuerrad zu bleiben – hinterher weiß man zumindest, wie viel man in welcher Situation erträgt und wie sie überwindet!

Energiegeladenes Stadtleben

Die Großstadt gibt permanent vor Energie vibrierenden Input an euch ab, manchmal kann sie einem auch einfach zu viel werden. Dieser Input, von dem ich rede, fängt mit den ganz kleinen Dingen des Lebens an, beispielsweise welches Essen magst/ hasst du abgrundtief. Darauf baut es auf, wenn du zum Beispiel deinen Kleidungsstil weiter entwickelst oder einfach nur austesten könntest, die Bars zu denen man geht, die Dinge, die man als potenzielles Hobby austestet. Man hat keine andere Wahl als seine persönliche Komfort-Zone zu verlassen wenn man nicht gerade den ganzen Tag zu Hause herum sitzen möchte.

Vielleicht gehst du ganz klassisch am Anfang auf Sightseeing-Touren, checkst Cafés aus, Parks oder Geschäfte des täglichen Bedarfs – während du deine Alltagsroutinen der neuen Umgebung anpasst. Wie auch immer, du wirst immer mit vielen neuen Leuten täglich in Kontakt kommen und mit deren Lebensumstände/ -einstellungen, genau wie deinem neuen Zuhause. In einer Stadt erlebe ich eine Seite des Lebens, die mir im Moment noch gefehlt hat. Sie öffnet meine Augen für Wege, die ich sowohl privat als auch professionell beschreiten kann und mich so weiterentwickeln.

Es geht nicht darum, sich wie die Axt im Wald aufzuführen. Es geht darum, dass man selbst neue Routinen festlegt, um das neu Erfahrene fest ins eigene Leben zu integrieren – manche werden vielleicht sogar ihre Vorliebe dafür entdecken, einfach ständig und immer wieder etwas Neues auszuprobieren. Die neuen Routinen und die vielen Versuche etablieren eine sich fortentwickelnde Stabilität. Die Chancen, zu der Person zu werden, die man schon immer sein wollte, sind enorm. Für mich ist es in der Tat ein zufriedenstellender Lifestyle, weil ich nicht das Gefühl habe, etwas Wichtiges zu verpassen.

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Die Sonnenaufgänge sind sowieso überall gleich.

Diese Worte haben nicht das Ziel, jemanden zu verletzen oder abfällig über das Dorfleben zu sein. Ich selbst komme vom Dorf und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich irgendwann wieder in die ländlichere Gegend ziehe als München. Am Dorf habe ich mehr Ruhe, mehr Platz, mehr grün, bessere Luft und die Möglichkeit, das Leben so ursprünglich zu führen, wie ich es aus meiner Kindheit erinnere. Auch das wird ein Teil der Entwicklung sein, die ich als Person brauchen werden. „Irgendwann“ aber eben erst & auch wenn das „irgendwann“ noch ganz weit weg ist, bekomme ich unter Garantie keine Angstzustände, wenn ich ab und an daran denke ;) Bis dahin allerdings genieße ich das Leben in der Großstadt und werde so viele Erfahrungen sammeln, wie mir geboten werden, das Beste aus diesem Mix entnehmen und mein Leben damit bereichern.

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