Rezension: Die Zarin der Nacht

Das Fazit mal vorab: „Die Zarin der Nacht“ als Fortsetzung von „Der Winterpalast“ ist meiner Meinung nach sehr gut.

Warwara Nikolajewna hat am Ende des ersten Bandes um ihre Entlassung aus den Diensten der Zarin gebeten – das wurde ihr erfüllt. Katharina hat auch mit Warwaras Hilfe den Thron des russischen Zarentums erstiegen und herrscht nun über ein enormes Reich, das sie zur Weltmacht aufzubauen gedenkt.

Die Hintergründe erleuchten

Im Gegensatz zum ersten Buch liegt nun der Fokus auf Zarin Katharina und anstatt einfach nur die Geschichte fortzuführen, versetzt die Autorin einen in die Gedankenwelt der Zarin. Das meine ich nicht als Metapher: Wir lesen die Gedanken von Katharina der Großen, keine Erzählung in der dritten Person. Damit beantwortet die Stachniak genau die Frage, die man sich am Ende des ersten Buchs hätte stellen sollen: „Was ging hinter den Kulissen der Zarin wirklich ab?“, da man ja nur die Sicht von Warwara Nikolajewna kennt und erfährt, dass sie nicht die Einzige war, die Katharina auf dem Weg zum Zarenthron unterstützt hat. Genau das beantwortet Eva Stachniak. Sogar der Schreibstil ändert sich und passt sich der neuen Hauptperson an.

Erwartungen erfüllt?

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Natürlich kommt es immer darauf an, welche Erwar- tungen man hat. Davon hängt es ab, ob diese enttäuscht werden oder nicht. Wer also eine Fortsetzung möchte, wie es Warwara weiter ergeht, sollte das Buch nicht lesen. Es geht auch nicht darum, dass sich die Ereignisse über- schlagen. Das Hauptereignis des beiden Bücher ist tatsächlich der Putsch und die anschließende Thron- besteigung durch Katharina. Beim zweiten Buch geht es also vielmehr um das Dasein als Zarin, als Fremde in einem großen Land, als Frau, die liebt und geliebt werden möchte. Ihre Art zu denken, ihre Art, Dinge wahrzunehmen und wie sie was fühlt. Welche Gründe sie zu welchem Handeln bewegen.

Kein Revival von Bewährtem

Anstatt einfach nur eine Geschichte und ein Erfolgsrezept zu wiederholen, kreiert die Autorin also etwas Neues, das noch dazu stimmig ist im Gesamtbild. Wer sich nur eine typische und schale Geschichte über eine vermeintlich starke Frau lesen möchte, sollte zu Iny Lorentz und deren ewigen Wiederholungen des gleichen Konzepts zurückkehren. Die berieselt ihre Leser ja seit Jahren mit der gleichen Grundgeschichte. Wer findet das noch spannend?

Eva Stachniak geht mit „Die Zarin der Nacht“ einen Schritt weiter in ihrer Entwicklung als Autorin und auch in der Art, wie Frauen der Geschichte dargestellt werden. Der Leser sollte mitgehen wollen.

P.S. Kleiner Funfact: Die Stachniak hört zeitlich so ziemlich da auf, wo Leo Tolstoi mit seinem „Krieg und Frieden“ anfängt – Zar Alexander & Napoleon, die sich gegenseitig noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten werden …

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