Das Ende eines Urteils

Mein Name ist Laura. Quatsch, ist er natürlich nicht. Aber das ist egal. Ich bin eine von euch. Gerade 27 geworden und im Leben längst nicht dort, wo ich als Teenager mal dachte, wo ich wäre in dem Alter. Aber hey, das sind wir mittlerweile gewohnt, oder? Irgendwie sind wir einfach anders gepolt. Klar, einige Altersgenossen sind verheiratet, haben 2 Kinder, bauen gerade ein Haus oder haben sich die Eigentumswohnung gekauft. Wir dümpeln in Großstädten herum und fluchen über die hohen Mieten. Wir bekommen Sonntagmorgens whatsapp Nachrichten, in denen Freunde darüber jammern, dass sie ihr Jojo nicht mehr finden.

Wenn wir uns betrinken wollen, setzen wir uns mit dem Alkohol an eine Uferpromenade, weil die Bars einfach so unverschämt teuer sind. Dabei fühlen wir uns in unsere Jugend zurückversetzt und ein bisschen kehrt das unbeschwerte Leben zu uns zurück. Als wir uns noch nicht über Steuererklärungen gemacht haben und die GEZ nichts weiter war, als Grundlage für schale Witze. Wohin wir gehen, wissen wir nicht so recht. Was uns gerade erst klar wird: Das ist vollkommen okay so. Man muss nicht die nächsten 10 Jahre seines Lebens verplant haben.

Der Zucker und das Leben

Der heutige Tag ist sonnig und verspricht, jeden mit einem Sonnenstich zu bestrafen, der sich zu lange draußen blicken lässt. Zum Frühstück gab es gerade Müsli und Joghurt, wobei letzterer mir fast ein schlechtes Gewissen macht. Müsli ist gesund, die Zuckerportion in dem fertigen Maracuja-Joghurt eher nicht. Ist das nicht verrückt? Ich mache mir Gedanken über den Zucker im Joghurt und vergesse dabei, dass die Zeit, die hier gerade vorbei geht, nie wieder zurückkommt. Ist das nicht Verschwendung meines Lebens in Reinform? Oder ist es vielmehr das Leben an sich, wie es gelebt werden sollte? Weil das Leben an sich aus genau diesen Kleinigkeiten besteht. Der Mensch soll angeblich nach Höherem streben. Aber das ist nur das große Ziel an sich, was unterwegs passiert, das ist doch das echte Leben. Oder? So viele Fragen und doch kein Plan. Wirklich okay so?

Laut brüllen ist nicht alles

Zum Glück bin ich nicht die Einzige, die sich darüber Gedanken macht. Die Generation vor uns, die in den 70ern geboren wurden, schreiben jede Menge Bücher dazu. Wer wo was und wie sollten wir sein? Das sind die, die damals Young Miss gelesen haben, sich dabei für einzigartig gehalten haben und dem gechillten Mainstream folgten. Die, die bald 40 sind und sich verhalten, als wären sie 25. Mit der vermeintlichen Weisheit einer erwachsenen Frau um sich werfen. Die glauben, sie haben endlich begriffen, wie das Leben läuft und sich insgeheim fragen, wann die Welt das auch endlich versteht. Deren Werke dann auch noch als literarische Sensation gelten.

Sheila Heti ist eine dieser Autorinnen und hat ein solches Buch geschrieben. Auf den ersten Seiten schreibt sie, dass sie beim letzten Blowjob ein bisschen gekotzt hat, aber den Job einfach durchgezogen hat. Soll mich das jetzt schockieren? Vielleicht möchte sie, dass wir stolz auf sie sind. Weil knallhart durchgehalten und so. Es ist ein bisschen ekelhaft, mehr nicht. Was will sie erreichen, wenn sie über so etwas schreibt? Juckt doch keinen. Und einen besonderen Wert kann ich darin auch nicht sehen. Höchstens, wenn Männer es lesen und dabei erkennen, dass Blowjobs mehr sind als nur ein bisschen Arbeit. Respekt, Leute! Als literarischen Erguss würde ich das jedoch nicht bezeichnen.

Glühlampe, alte glühlampe, Projekt 365

Gesucht: Die Erleuchtung.

Die psychologische Komponente

Es folgen Gedanken darüber, dass sie Frauen als Freundinnen noch nie trauen konnte. Das liegt natürlich daran, dass sie im Alter von zehn Jahren von ihrer damaligen BFF verraten wurde. Damit wären wir beim psychologischen Drama angekommen, das diese arme Frau so nachhaltig geprägt hat. Frauen und gegenseitige Freundschaft, das kann sich doch nicht vertragen. Die Autorin ist also unfähig, mit Vertreterinnen ihres Geschlechts eine freundschaftliche Beziehung einzugehen und wer ist daran schuld? Natürlich nicht sie. Die Gesellschaft macht sie zu dem, was sie ist. Unmöglich, dass sie einfach auf die Idee kommt, sich bewusst gegen eine solche Einstellung zu entscheiden. Wir sind nicht die Sklaven unserer Welt. Die Welt ist so, wie wir sie machen. Wir sind so, wie wir uns machen (lassen).

Und das ist tatsächlich okay so, denn es heißt, ich kann machen, was ich möchte. Das mag kindisch klingen, aber simpel und einfach die zentrale Wahrheit unserer Generation. Da hinkt der Vergleich mit einer 40-Jährigen, die über ihr vermurkstes Leben sinniert, deutlich. Damit möchte man sich gar nicht vergleichen. Ihre Geschichte ist kein literarisch wertvolles Produkt, es ist vielmehr ein Armutszeugnis einer Generation. Die zu spät erkennt, dass ihr Leben bereits stattgefunden hat, während sie es haben ablaufen lassen. Es geht nicht darum, ob es mittlerweile zu spät ist, um auszubrechen. Das liegt ganz bei euch. Aber hört auf, ein bisschen über Sex zu schreiben und zu glauben, ihr würdet damit unsere Welt revolutionieren.

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6 Kommentare

  1. Das nenn ich mal DIREKTE Worte.

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    • Mei, man kann auch über andere Sachen direkt reden als nur Sex ;) Danke für deinen Kommentar, genieß den Feiertag!

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      • Oh, ihr habt einen Feiertag…. :) dann wünsch ich DIR einen wunderschönen Tag !
        Grüße von gabi

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  2. Wow!
    Ungefähr so hab ich gedacht als ich gähnend Shades of grey weglag… wahnsinn…
    Du hast mir aus der Seele gesprochen.
    Liebe Grüße
    Claudia
    PS: wenn ich bei was-auch-immer „ein bischen“ kotzen müsste, würde ich damit aufhören, aber vielleicht muss mein Stolz erst 40 werden, bis ich das kapiere.

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  3. Unruheherd

     /  20/06/2014

    Mein Jojo habe ich davon auch nicht wieder. Stattdessen bastele ich an Straßen herum, die noch nicht einmal endgültig geplant sind. Ich habe Hunger und bin müde und will sowieso auf den Arm. DAS ist es, was UNSERE Generation quält.

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